Europäische Zentralbank sinkt Leitzins auf 4,25%

Die Europäische Zentralbank (EZB) senkt nach ihrer andauernden Serie von Leitzinserhöhungen im Kampf gegen die Inflation erstmals wieder die Zinsen im Euroraum. Nach knapp neun Monaten auf Rekordhoch verringert sich der Leitzins nun um 0,25 Prozentpunkte auf 4,25 Prozent. Der auf dem Finanzmarkt maßgebliche Einlagenzins, den Banken für geparkte Gelder bei der Zentralbank erhalten, wurde auf 3,75 Prozent von bisher vier Prozent gesenkt. Mit diesem Schritt nach unten folgt die EZB den Notenbanken in Kanada, der Schweiz und Schweden, die bereits vor geringer Zeit die Zinsen gesenkt haben.

Kredite werden günstiger

Während sich Sparer/innen darauf einstellen müssen, dass sie in Zukunft tendenziell weniger Zinsen für Geld auf Sparkonten und -büchern erhalten werden, können sich Kreditnehmer/innen über sinkende Zinsen freuen. Durch die Leitzinssenkung werden Kredite günstiger und die anfallenden Finanzierungskosten, beispielsweise für einen Immobilienkauf, verringern sich. Dies führt zu einer höheren Nachfrage nach Krediten und kurbelt somit den Konsum und neue Investitionen an. Insgesamt kann damit die wirtschaftliche Dynamik gestärkt und Aufschwünge in verschiedensten Branchen gefördert werden. 

Baubranche weiterhin geschwächt

Die Bauzinsen sind trotz der Aussicht auf sinkende EZB-Leitzinsen in den vergangenen Wochen gestiegen. Im Juni lag der durchschnittliche Zinssatz für eine zehnjährige Sollzinsbildung bei 3,72 Prozent, gegenüber 3,42 Prozent zu Jahresbeginn. Die Entwicklung der Bauzinsen hänge stärker von der Inflationsrate ab. Die krisengeplagte Bauindustrie setzt in die Zinssenkung wenig Hoffnung. Zwar verbilligen sich auf der einen Seite die Baukredite, die Teuerung bleibt aber hoch und somit auch die stark gestiegenen Materialkosten. Viele Bauunternehmen klagen über fehlende Neuaufträge und Stornierungen bereits geplanter Projekte. Auch wenn es momentan nicht danach aussieht, können niedrigere Kreditzinsen langfristig der Wirtschaft auf die Sprünge helfen.

Inflation weiterhin auf hohem Niveau

Nach neuester Prognose der Notenbank wird die Teuerung im Euroraum etwas langsamer zurückgehen als zuletzt erwartet. Für das laufende Jahr rechnet die EZB mit einer Inflationsrate von 2,5%. 2025 wird eine Rate von 2,2 Prozent erwartet. Die Zentralbank strebt für den Euroraum mittelfristig eine jährliche Inflationsrate von zwei Prozent an. Bei diesem Wert sehen die Währungshüter Preisstabilität gewährleistet. Man sei mit dem spürbaren Rückgang der Inflation zufrieden, aber der Weg zurück zur Preisstabilität sei holprig.

Ausblick in die Zukunft

Ein Blick in die Zukunft zeigt, dass noch unsicher ist, ob und wie viele weitere Zinssenkungen folgen werden und wann man mit solchen rechnen kann. Einige Experten erwarten, dass schon im Herbst dieses Jahr und auch im nächsten Jahr weitere Zinssenkungen kommen könnten. Entscheidend wird sein, diese neuen Entwicklungen genau im Auge zu behalten und dementsprechend zu handeln. Stabile Preise sind eine wesentliche Voraussetzung für nachhaltiges Wachstum in Europa und eine florierende Wirtschaft. Daher ist es wichtig, an dieser Stabilität festzuhalten, um langfristig eine gesund wirtschaftliche Entwicklung sicherzustellen. 

 

Quelle: https://orf.at/stories/3359871/